Sedlak Rissland Architekten

Kindertagesstätte + Wohnen am Baumhaus

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2019 - 1. Preis, zusammen mit raum 3 Architekten, 4-gruppige Kindertagesstätte + gefördertes Wohnen
Bauherr:
Gemeinde Remshalden
Standort:
Remshalden - Geradstetten
Fachplaner:
studio B Landschaftsarchitektur

Die Treppe windet sich wie eine Schlange um den Stamm der alten Kastanie, die es ruhig und gelassen erduldet. Auf dieser magischen Wendeltreppe kann man die Erde verlassen und ins Königreich der Äste eindringen, eine Fantasiewelt, die sich mit jeder weiteren Stufe erschließt.
Über diese luftige Leiter gelangen wir an einen Ort, wo wir mit dem Himmel Zwiesprache halten können. Hier taucht man in eine märchenhafte Welt ein.
(aus “Baumhäuser”, von Alain Laurens)

Städtebau und Gebäude
Die städtebauliche Figur besteht aus einem dreigeschossigen Riegel und einem zweigeschossigen Seitenflügel mit Atrium. Zusammen mit der neuen Bebauung im Osten entsteht eine gefasste grüne Binnenzone. Der neue Stadtbaustein wird zentral zwischen die drei bestehenden großen Bäume platziert. Das Kinderhaus öffnet sich mit einladender Geste zur Wilhelm-Enßle-Straße. Der natürliche Geländeverlauf des Hanggrundstückes wird durch die einzelnen Geschosse aufgenommen.
In den beiden unteren Ebenen befinden sich die Kita-Räume mit direktem Freiraumbezug, im obersten Geschoss die Wohnungen mit Dachterrasse.
Direkt an der Wilhelm-Enßle-Straße sind fünf oberirdische Stellplätze für das Holen und Bringen situiert, ergänzt durch 20 Fahrradstellplätze.
Über eine Zufahrt im Südosten gelangt man direkt in die Tiefgarage mit 12 hausinternen Stellplätzen. Der öffentliche Erschließungsweg zur Oberen Hauptstraße tangiert das
Grundstück zukünftig auf der Westseite. Hier ist auch der Zugang zu den Wohnungen angedacht. Diese sind über ein separates Treppenhaus mit Aufzug erreichbar. Der Aufzug dient gleichzeitig als barrierefreier Verteiler für die Kita. Der Hauptzugang zur Kita erfolgt im Süden, über ein paar Stufen direkt von der Wilhelm-Enßle-Straße aus oder barrierefrei über den
seitlichen Rampenweg.

Kindertagesstätte
Im Erdgeschoss gelangt man in das Eingangsfoyer der Kita. Hier findet man neben den Verwaltungsräumen, den Serviceräumen, den Wartebereichen und Kommunikationszonen für die Eltern auch der Mehrzweckraum mit Speisebereich für den Ganztagsbetrieb. Unmittelbar vor dem Mehrzweckraum liegt eine geschützte Süd-Ost-Terrasse mit Zugang zum “Baumhaus”.
Über eine großzügige Innentreppe erreicht man die Gruppenräume auf der 1. Ebene, dem Gartengeschoss. Um die atriumartige Treppengalerie gruppieren sich drei Bereiche: Im Nordwesten ein Flügel mit den Räumen der Unterdreijährigen im Südwesten und Südosten zwei Flügel mit Räumen der Überdreijährigen. Die einzelnen Gruppen bestehen jeweils aus Modulen mit Gruppenraum, Nebenraum und Sanitär + Wickelkern. Die Schlafräume liegen etwas ruhiger bzw. separierter. Die Garderoben mit Sitzbänken und Ablageflächen sind entlang der Flure angeordnet. Im Bedarfsfall können Ü3-Gruppen auch von U3-Kindern bespielt werden. Das modulare System ist flexibel nutzbar und dient als Grundlage für ein zukunftsoffenes Kinderhaus. Interne Rundwege können gut als erweiterte Spielzonen bzw. Bobbycar-Strecken genutzt werden. Im Norden befinden sich jeweils über Schmutzschleusen zugängliche Gartenbereiche. Im Süden ist dem Ü3-Bereich eine Terrasse mit Zugang zum Baumhaus vorgelagert. Das Baumhaus wird zum straßenseitigen Aushängeschild der Kindertagesstätte.

Wohnen für Jung und Alt
Die geschossweise Trennung von KiTa und Wohnnutzung ermöglicht sowohl einen reibungslosen Betrieb der KiTa als auch keine Beeinträchtigung der Wohnqualität.
Die Wohnungen sind komplett barrierefrei erschlossen. Das Wohnungsgemenge besteht aus jeweils einer 1-, 2-,3- und 4-Zimmerwohnung. Vorgelagerte Terrassen bieten weite Ausblicke in die umliegende Weinberglandschaft. Ein gemeinsam genutzter Dachgarten ergänzt das Freiraumangebot mit Pflanzflächen oder Gemüsebeeten und dient gleichzeitig als Retentionsfläche mit Wohlfühlfaktor.

Freianlagen
Intensive Erlebnismöglichkeiten werden um das Kinderhaus herum geschaffen. Bei den Spielbereichen wird auf die unterschiedlichen Altersstufen eingegangen, der U3-Freibereich kann gut von den älteren Kindern abgetrennt werden. Der Ü3-Garten erstreckt sich über zwei
Geschossebenen bis zum Baumhaus auf der Südseite.
Eine große Rutsche verbindet beide Ebenen spielerisch im Geländeverlauf, das Baumhaus verbindet sie vertikal auf kurzem Wege.

Konstruktion + Energie
Der Neubau ist als Schottensystem in Massivholzbauweise konzipiert. Die Tiefgaragen- und Sockelzone wird in WU-Beton erstellt. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über die als Scheibe ausgebildeten Deckenelemente in Verbindung mit den Massivholzwänden. Wärmebrücken
werden minimiert.
Die Holzkonstruktion des Gebäudes mit einem maximierten Vorfertigungsgrad bietet eine nachhaltige sowie robuste Bauweise bei minimierter Bauzeit. Durch jeden verbauten Kubikmeter Holz werden ca. 1t CO2 gebunden. Bei einem Rückbau ist Holz rückstandsfrei recycelbar. Daneben besticht ein Holzbau durch seinen sehr niedrigen Primärenergieeinsatz. Die Außenwände erhalten eine Holzfaserdämmung mit einer hinterlüfteten Schalung aus Weißtanne. Die horizontalen Deckenplatten werden in der Fassade betont. Der warme Werkstoff Holz wird auch zum Wegbegleiter im Inneren. Die Böden erhalten einen pflegeleichten Linoleumbelag. Farblich aufeinander abgestimmte Oberflächen dienen der Orientierung der Kinder. Auch im restlichen Ausbau werden weitestgehend natürliche Baustoffe eingesetzt. Außenliegende Raffstoreelemente sorgen für den sommerlichen Wärmeschutz. Lamellenartige “Holzvorhänge” an Terrassen und Fenstern dienen als Sichtschutz. Sie akzentuieren die Fassade und sorgen für interessante Licht- und Schattenspiele im Inneren.
Das Energiekonzept setzt zuerst auf eine Minimierung des Energiebedarfs und im zweiten Schritt auf eine nachhaltige und effektive Deckung des verbleibenden Bedarfs. Das könnte zum Teil auch durch solare Energie erfolgen in Form von Solarkollektoren am Dach und entsprechend dimensionierten Pufferspeichern. Energiespitzen könnten durch eine einfache Gastherme abgedeckt werden. Die Wärmeverteilung erfolgt auf einem möglichst niedrigen Temperaturniveau mittels Fußbodenheizung.
Zur Einsparung von Investitions- und Betriebskosten und um den Gebrauch des Kinderhaues für die Nutzer möglichst einfach zu gestalten, soll die Haustechnik auf ein vertretbares Mindestmaß reduziert werden.