Sedlak Rissland Architekten

Züricher Straße

Beschreibung:
Städtebaulicher Realisierungswettbewerb 2013 - 1. Preis, zusammen mit Prof. Johannes Kappler, Städtebaulicher Entwurf und Bebauungsplan, 8,5 ha
Bauherr:
Stadt Nürnberg
Standort:
Nürnberg, Großreuth
Zeitraum:
2013-2018
Fertigstellung:
2018

Bebauungsplan Nr. 4614 (pdf)

 

Der Mehrwert für die Stadt und ihre Bewohner

Der Bebauungsvorschlag für den Bereich des zukünftigen U-Bahnhofs ‚Großreuth’ aktualisiert den gleichnamigen Nürnberger Stadtteil mit einem differenzierten ressourceneffizienten Stadtgefüge. Er entwickelt sich aus der Textur der Umgebung und bietet im Gegenzug neue prägnante öffentliche Freiräume für die angrenzenden Nachbarschaften. Vier Entwicklungsziele bilden das Leitmotiv für ein neues Stück Stadt:

1.) Der U-Bahnhof ‚Großreuth’ als Verbindungsraum
Von einer Insellage zu einem vernetzten Stadtquartier

Die Setzung der Baukörper ergibt sich aus den bestehenden Freiraumstrukturen. Die Baukörper werden im wesentlichen entlang der Haupterschließung ‚Züricher Straße’ an der nordwestlichen Grundstücksgrenze aufgereiht, um den südlichen Bereich für eine großzügige parkähnliche Verbindung mit Naherholungsfunktion zwischen Kleinreuth und dem Westpark zu nutzen. Die Ränder dieses Parks werden durch Gebäudefassaden präzise formuliert, sind aber so perforiert, dass Sie eine maximale Anzahl an offenen Zugängen für die Bewohner der umliegenden Stadtfelder bieten. Gemeinschaftliche Flächen sind an strategischen Stellen der Durchwegung angeordnet und fügen vielfältige Raumsequenzen ein. Die großzügige Vernetzung der öffentlichen Räume findet ihre Fortführung in öffentlichen und privaten Grün- und Freibereichen zwischen den Gebäuden. Damit kann es gelingen, das neue Quartier mit seinem Umfeld optimal zu verweben.

2.) Der U-Bahnhof ‚Großreuth’ als Zieladresse:
Von einem unbekannten Ort zu einem identitätsstiftenden Ensemble öffentlicher Räume

Das Entwurfsareal ist bisher geprägt von einem Patchwork an unterschiedlichen Siedlungskörpern, die beziehungslos in der Stadtlandschaft liegen. Durch eine Komposition mit solitären Gebäuden entsteht um den zukünftigen U-Bahnhof als neue Mitte ein markantes, skulpturales Gesamtensemble aus einem räumlichen gefassten Platz mit fließenden Übergängen in den Park. Durch eine publikumsorientierte Nutzungen im Erdgeschoss ent- steht an diesem Ort eine neue Zieladresse für die Bewohner von ‚Großreuth’. Mit dem Grundtypus des Punkthauses wird durch Gegenüberstellungen und Versätze eine urbane Raumsequenz unter Wahrung angemessener Gebäudeabstände geformt. Ein breites Spektrum von Verwandtschaften und Wahlverwandtschaften zwischen den Einzelgebäuden entsteht im städtebaulichen Zusammenhang. Diese prägnante Form setzt sich in einer zeilenförmigen Bebauung in nordwestlicher Richtung fort.

Durch die städtebauliche Setzung ergeben sich Raumstrukturen, die sich in das übergeordnete Freiraumsystem eingliedern und differenzierte Frei- räume schaffen. Aufbauend auf diesen Strukturen wird ein hierarchisches Freiraumsystem abgeleitet, das die übergeordnet öffentlichen, die halb- öffentlichen und privaten Freiraumtypen in den Gebäudezwischenzonen herausarbeitet und die öffentlichen Freiraumstrukturen den großen offenen Freiraumkonfigurationen zuordnet. Jede Wohnung erhält einen Balkon oder einen Terrassengarten mit direktem Zugang. Mit einfachen Hecken, Pflanzungen und Aufkantungen werden diese Zonierungen ablesbar gemacht, ohne den städtebaulichen Gesamtzusammenhang zu überformen.

Analog dieser Einteilung erfolgt ebenfalls die Zuordnung des spezifischen Kleinkinderspiels in den halböffentlichen Zwischenbereichen und den übergreifenden Angeboten für die älteren Kinder in den großen offenen Zonen des südwestlichen Angerbereiches. Weitere zentrale Freiraum- und Aufenthaltsnutzungen werden hier angeboten. Der Anger, ausgeformt mit Baumgruppen und offenen Wiesenflächen, mit einer auf die Mitte fokusierten Grundstruktur stellt Treffpunkt und Aktionsraum für alle Alters- und Bewohnergruppen dar und ist gleichzeitig Überleitungselement des südwest–nordost orientierten Grünzugs. Angemessene Spielangebote und atmosphärische Grundelemente definieren diesen Quartierspark und werten das Areal insgesamt auf.

Mit einer Wasserfläche erhält der Anger ein zentrales Sonderelement. Die Wasserfläche wird mit dem Regenwasser der umliegend befestigten Flächen gespeist und erhält einen Überlauf an die Vorflut gen Westen. Der Wasserkörper ist asymmetrisch profiliert, so dass auch bei Niedrigwasser am Platz immer Wasser vorzufinden ist. Gleichzeitig ist die Wasserfläche auch Gelenk zwischen dem eher landschaftlich interpretierten Anger und dem urbanen Platz an der U-Bahn. Der Platz erhält eine aus der Geometrie der U-Bahnbauwerke abgeleitete Grundstruktur, die durch Baumgruppen auf- gelockert und mit dem Anger verzahnt wird.

Eine im Siedlungsumfeld durchgängige Verwendung von wenigen einprägsamen und bewährten Gestaltungsmitteln (Baum, Hecke, Rasen), kann ei- nen robusten Rahmen aufbauen, welcher Quartierscharakter entstehen lässt und gleichzeitig flexibel und zurückhaltend genug ist, um individuelle Gestaltungsvarianten zuzulassen.

3.) Der U-Bahnhof ‚Großreuth’ als Wohn- und Arbeitsort
Von einer untergenutzten Gemengelage zu einem städtischen Lebensumfeld am Park

Der Bebauungsvorschlag zielt auf eine Vielfalt an generationenübergreifenden und gemeinschaftsfördernden Wohn- und Freiraumtypologien.
Eine morphologische Mischung im Klein-, Mittel- und Großmaßstab schafft die Grundlage für ein vielfältiges und in Abschnitten realisierbares Nutzungsgefüge aus unterschiedlichen Wohnungstypologien ergänzt durch Gewerbeeinheiten und gemeinschaftliche Einrichtungen für eine Zielgruppe, die sich für ein städtisches Lebensumfeld im Grünen entscheidet. Öffnungen in der Bebauungsstruktur unterstützen einen sozialen Austausch und Wechselbeziehungen vor allem für die Kinder.

4.) Der U-Bahnhof ‚Großreuth’ als Modellprojekt für eine angemessene Verdichtung von ÖPNV-Knotenpunkten unter Bewahrung ökologischer und atmosphärischer Freiraumqualitäten

Durch die maximale Konzentration des Bebauungsvolumens im Bereich des neuen U-Bahnhofs kann auf der einen Seite eine städtische Dichte und angemessene Anzahl an optimal erschlossenen Wohneinheiten realisiert werden. Auf der anderen Seite ist es aber auch möglich, wichtige Flächen für die stadtökologischen Belange zu erhalten.

So werden die vorhandenen Bäume und wertvolle Vegetationselemente soweit möglich in das Konzept integriert. Falls Bäume entfallen, werden sie in gleichem Umfang im Plangebiet durch Neupflanzung von Bäumen der I. und II. Ordnung ersetzt. Im Umgriff der Zeilenbebauung erhalten markante Punkte eine Kennzeichnung durch kleinkronige Bäume.

Die untergeordneten Belagsflächen werden versickerungsfähig ausgebildet und die neuen Erschließungen erhalten zur Reduzierung des Abflussbeiwertes eine extensive Pflasterung. Die Niederschläge werden in einfachen Graben- und Rinnensystemen der zentralen Wasserfläche zugeführt und eingestaut. Überschüsse werden versickert bzw. nach Westen abgeleitet. Die abgeleiteten Niederschläge der südöstlich angrenzenden Siedlungsteile werden in das System integriert. Durch eine wirtschaftliche Optimierung der Freianlagenpflege können Randzonen in ihrer biotischen Ausstattung deutlich aufgewertet werden.

Das bindende Element sind die Planungsprinzipien für die öffentlichen Räume. Sie bilden als wesentliche Raumideen den strukturellen Rahmen für die einzelnen Baufelder. So wird es gelingen, ein Stadtquartier zu entwickeln, das in seiner städtebaulichen Disposition und seiner Funktion ein für seine Lage angemessene Form findet.